Worin unterscheiden sich Inflation und Inflationsrate?
Inflation und Inflationsrate sind zwei unterschiedliche Dinge, die zudem nur indirekt miteinander zu tun haben, die jedoch oft synonym verwendet werden. Das ist umso überraschender, wenn dies auch in der Fachliteratur oder auf themenspezifischen Websites passiert. Man könnte Absicht dahinter vermuten.
Die Inflation
Inflation bezeichnet allgemein eine Ausweitung oder ein Aufblähen einer Sache, bei dem ein Inhalt oder eine Wertigkeit nicht zunimmt.
Ein bildliches Beispiel für die Inflation ist die eines Schlauchbootes oder einer Luftmatratze. Das englischsprachige Wort 'inflate' bedeutet 'aufblasen' oder 'aufpumpen'. Ein aufgeblasenes Schlauchboot ist deutlich größer als zuvor, hat aber nicht mehr Masse, Wert oder Gewicht. Es enthält lediglich mehr Luft, die sich vorher außerhalb des Schlauchbootes befunden hat.
Wenig bekannt ist die kosmologische Inflation. Sie bezeichnet die Expansion des Universums unmittelbar nach dem Urknall. Dieser Begriff wird kaum verwendet, ist aber ein von Fachleuten verwendeter Terminus. Auch bei dieser Inflation hat eine erhebliche Ausweitung stattgefunden, nämlich die des Universums, wobei die Masse seines Inhaltes gleich geblieben ist.
Bei der Inflation des Geldes ist das ganz ähnlich. Bei der monetären Inflation nimmt die Geldmenge als Gesamtheit aller Einheiten (z.B. Euro) zu, ohne dass diese Zunahme mit dem Entstehen realer Werte einher geht. Wenn also plötzlich mehr Euros im Umlauf sind, nicht aber entsprechend mehr werthaltige Ware, dann hat diese größere Anzahl an Euros den gleichen Wert, wie zuvor die kleinere Geldmenge.
In der Marktwirtschaft ergibt sich aus Angebot und Nachfrage der Preis. Im Fall einer Inflation des Euros führt das gestiegene Angebot zu einem niedrigeren Preis (in Dollar, Franken oder Kronen). Der Preis des Euros wird im Verhältnis zu seiner Inflation fallen. Wenn die Geldmenge um zehn Prozent steigt, verliert der einzelne Euro zehn Prozent seines Wertes.
Umgekehrt steigt der Wert des Geldes, wenn es knapper wird. Die Verringerung der Geldmenge wird als Deflation bezeichnet. In einer Deflation wird Geld vernichtet. Mehr zur Erzeugung und Vernichtung von Geld im Beitrag zur Geldschöpfung.
Die Inflationsrate
Wer bei Wikipedia in das Suchfeld das Wort Inflationsrate eingibt, wird auf den Artikel zur Inflation umgeleitet. Als ob beides dasselbe wäre! Und dieser Artikel bezeichnet die Inflation als 'signifikanten Anstieg des Preisniveaus'. Diese Definition ist natürlich eine Irreführung. Der darauf folgende Satz macht den Fehler wieder gut:
"Es verändert sich also das Austauschverhältnis von Geldmenge zu Gütermenge – pro Gütereinheit existieren nun mehr Geldeinheiten."
Richtig, genau so ist es. Hier wird jedoch verschleiert, dass das Mehr an Geldeinheiten aus dem Nichts bei der Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken entstanden ist.
Doch sofort wird der Wiki-Beitrag wieder wirr:
"Am häufigsten wird zur Messung der Inflation der Verbraucherpreisindex herangezogen. Der Index wird mit Hilfe eines Warenkorbs berechnet, der in einem bestimmten Jahr (Basisjahr) repräsentativ für einen durchschnittlichen Haushalt (in Deutschland 2,3 Personen) festgesetzt wird."
Falsch. Mit Hilfe des Warenkorbes wird nicht die Inflation gemessen, sondern die Inflationsrate ermittelt.
Mit der Inflationsrate wird eine durchschnittliche Preissteigerung quantifiziert. An einer Preissteigerung ist eine Inflation wesentlich beteiligt, wenn diese denn stattfindet. In jedem Fall spielen aber auch andere Faktoren eine Rolle, wie z.B. die Höhe des Angebotes an Gütern im Verhältnis zur deren Nachfrage.
Inflation und Inflationsrate sind also zwei unterschiedliche Begriffe in der Wirtschaftswissenschaft. Diese beiden Begriffe werden in den Medien selten deutlich unterschieden und inzwischen scheint selbst in der Lehre eine Vermischung stattzufinden.
Der Grund dafür könnte sein, dass man die Tatsache der permanenten Ausweitung der Geldmenge verschleiern möchte. Der Normalbürger könnte auf die Idee kommen, zu fragen, warum seit der Einführung des Euro immer weniger davon in seiner Tasche landen, obwohl immer mehr davon in Umlauf gebracht werden, wie an dessen fallendem Wert zu sehen ist.

