Wo kommt das Geld her?

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Ab 2008 mussten immer mehr Banken mit immer mehr Geld gerettet werden. Die Deutschen haben inzwischen einige tausend Millionen Euro ausgezahlt und mehrere hunderttausend Millionen Euro versprochen. Da steht eigentlich die Frage im Raum, wo das viele Geld denn wohl herkommt und zukünftig herkommen wird. Diese Frage wird in den Mainstream-Medien aber nicht gestellt und schon gar nicht beantwortet.

Das Geld kommt natürlich von Banken. Aber nicht von Zentralbanken, wie so oft behauptet wird, sondern von normalen Geschäftsbanken. Anders ist es auch gar nicht möglich, denn mit der 'Zündung' der zweiten Stufe der Europäischen Währungsunion im Jahr 1994 ist es den einzelnen EU-Staaten verboten, sich Geld über ihre Zentralbank zu verschaffen.

Auch Deutschland muss also seine Kredite von Geschäftsbanken aufnehmen. Aber von welchen Geschäftsbanken? Sind die nicht alle irgendwie in der Krise? Haben die denn diese Hunderttausende von Millionen Euro in Tresoren liegen? Und werden die das viele Geld auch zur Verfügung stellen können, wenn in der Zukunft Bürgschaften fällig werden?

Geld erschaffen - Die Geldschöpfung

Ein großes Geheimnis umgibt das Thema Geldschöpfung. Bis Mitte 2010 sind klare Aussagen zur Geldschöpfung nur auf alternativen Informationsangeboten im Netz (sogenannten Verschwörungs-Websites) zu finden gewesen und auch auf den Websites von unabhängigen Wirtschaftswissenschaftlern. Die Wahrheit über die Geldschöpfung hätte man ebenfalls schon immer auf Wikipedia lesen können, aber nicht in der Klarheit, wie sie heute dort geschrieben steht. Und die Wahrheit ist, dass Geld entsteht, wenn ein Kredit vergeben wird.

Geld wird tatsächlich erschaffen, wann immer jemand einen Kredit in Anspruch nimmt. Die betreffende Bank verleiht also kein Geld, über das sie verfügt, sondern sie schreibt den entsprechenden Betrag dem Konto des Kreditnehmers gut. Einfach so. Dabei entsteht tatsächlich Geld aus dem Nichts.

So entstandenes Geld wird scherzhaft als 'fiat money' bezeichnet, was sich auf eine Textstelle ganz am Anfang der Bibel in lateinischer Sprache bezieht. "Fiat lux" befiehlt Gott im alten Testaments im 1. Buch Mose, Kapitel 1 Vers 3: Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht.

Genau so machen es die Banker. Die sagen "Es werde Geld" - und es wird fiat money.

Wie sieht die Geldschöpfung in der Praxis aus?

Zum Beispiel so:

Sie, lieber Leser, haben 100 Euro übrig, bringen das Geld zur Bank und lassen es Ihrem Sparkonto gutschreiben. Die Bank hat nun Ihre 100 Euro und kann das Geld an den Nächstbesten weiter verleihen. Aber nicht die gesamten 100 Euro, denn 2 Prozent muss die Bank als Mindestreserve zurückbehalten.

Die Bank verleiht von Ihren 100 Euro also 98 Euro - z.B. an einen Herrn Müller. Der Herr Müller eilt damit zum Media Markt und kauft sich einen heiß ersehnten MP3-Player.

Der Chef vom Media Markt bringt die 98 Euro nachmittags zurück zur Bank und der Banker freut sich, dass er seine 98 Euro zurückbekommen hat und 98% davon weiter verleihen kann.

Frau Meyer ist es, die sich am nächsten Morgen die 96 Euro und 4 Cent per Dispo leiht und sich davon Schuhe (was denn sonst) kauft.

Die Inhaberin des Schuhladens bringt die Euro 96,04 noch zur Mittagsstunde zurück zur Bank und die Bank verleiht etwas über 94 Euro davon noch am Nachmittag des selben Tages an Herrn Schmidt.

Und das geht immer so weiter. Nach dem einhundertsten Entleihen muss die Bank von Ihren 100 Euro bereits Euro 86,74 als Mindestreserve zurücklegen und kann somit nur noch Euro 13,26 herausgeben. Da haben sich Ihre 100 Euro bereits auf 4350,16 Euro aufgebläht. Nach dem zweihundertsten Entleihen darf die Bank nur noch 1 Euro 76 von Ihrer Einzahlung weiter verleihen, während die Geldmenge sich auf 4913,82 Euro ausgeweitet hat. Nach dem dreihundertsten Entleihen darf die Bank von Ihren 100 Euro nur noch 23 Cent herausrücken und Ihre 100 Euro haben sich auf 4988,57 Euro fast verfünfzigfacht.

In der Praxis sammelt die Bank das Geld für einen zu vergebenen Kredit natürlich nicht von den einzelnen Konten zusammen, sondern entnimmt es dem virtuellen Topf, in dem alles virtuelle Geld landet. Außerdem handelt es sich bei Ihrer 100-Euro-Spareinlage bereits zum größten Teil um so geschöpftes Geld und daher kann dieser spezielle Geldbetrag nicht auf das Fünfzigfache ausgeweitet werden. Im Endeffekt aber wird sich bei einer Mindestreserve von 2% das halbwegs reale Geld von der Zentralbank um den Faktor 50 aufblähen.

Und jeder Mitspieler fühlt sich reich bei diesem Geldspiel, denn jeder hat ja entweder einen Anspruch auf Rückzahlung oder besitzt eine Ware von Wert. Nur die Bank fühlt sich nicht reich, denn die fühlt sich SEHR reich, weil sie von den Mitspielern sehr viel mehr Zinsen kassiert als auszahlt.

In diesem Beispiel ist es eine einzelne Bank, die das Geld stets zurück bekommt. Das wird in der Realität wohl kaum so passieren, aber das spielt keine Rolle, denn im langfristigen Schnitt bekommt jede Bank ungefähr so viel Geld zurück, wie sie ausgegeben hat. Auch ist die Realität sehr viel komplizierter, als dieses eine Beispiel es erahnen lässt. Das Bankensystem ist über Jahrhunderte zu einem überaus komplexen Geflecht von Abhängigkeiten gewachsen und auch Experten durchschauen es nicht vollständig. Dieser grobe Einblick zeigt aber bereits das Wesen des Geldsystems auf.

Die Vernichtung von Geld

Geld entsteht also, wenn ein Kredit vergeben wird. Umgekehrt verschwindet Geld, wenn ein Kredit zurückgezahlt wird. Weil alles Geld Schuld ist, wäre alles Geld vernichtet, wenn alle Schuldner ihre Schulden zurückzahlen würden. Hört sich verrückt an, ist aber so: Wenn alle Teilnehmer am Geldmarkt ihre Schulden vollständig zurückzahlen würden, wäre alles Geld weg - bis auf die Münzen, die einem anderen Herstellungsprozess unterliegen.

Weil die gesamte Geldmenge identisch ist mit der Summe aller Schulden, darf sich im Rahmen des Geldsystems die Gesamtverschuldung nicht verringern. Die Verschuldung muss nicht nur aufrecht erhalten bleiben, sondern sie muss beständig ausgeweitet werden, weil nur so das Geld für Zinszahlungen aufgebracht werden kann.

Das Geldsystem verstehen

Um das (Un-)Wesen des Geldsystems zu verstehen, reicht es nicht, die wenigen Zeilen hier zu lesen. Es lohnt sich, etwas Zeit in dieses Thema zu investieren und 20 Stunden wären nicht zu viel. Nur wer sich eingehend mit dem Geld beschäftigt, bekommt ein Gefühl dafür. Die Geldschöpfung ist die Basis des Geldsystems und das Geldsystem ist der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Wirtschaft. Verwirrende Zusammenhänge und Effekte in den Bereichen Wirtschaft und Finanzen werden plötzlich verständlich, wenn man die Realität der Geldschöpfung verinnerlicht hat.

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